Reihengeschäfte

Ein Reihengeschäft liegt vor, wenn mehrere Unternehmer über denselben Gegenstand Geschäfte abschließen und der Gegenstand direkt vom ersten Lieferer an den letzten Abnehmer gelangt.

Beispiel: A aus Köln bestellt bei B in Aachen eine Ware. Da B diese Ware nicht vorrätig hat, bestellt er sie bei C in Paris. C liefert die Ware per Spedition direkt an A in Köln. Es erfolgen hier zwei Rechnungsstellungen (C an B und B an A), es gibt aber nur eine Warenbewegung. Umsatzsteuerlich ist deshalb die Frage zu klären, welcher Rechnungsstellung die Warenbewegung zugeordnet werden kann. Man spricht hier von der „bewegten Lieferung“. Alle anderen Rechnungsstellungen im Reihengeschäft werden als „unbewegte Lieferung“ bezeichnet.

Merke: Nur die bewegte Lieferung kann bei Beteiligten in unterschiedlichen EU-Staaten die steuerfreie innergemeinschaftliche Lieferung sein. Zumindest nach deutschem Steuerrecht würde die bewegte Lieferung der Lieferung von C an B zugeordnet, da C den Transport übernommen hat.

Die Zuordnung der bewegten Lieferung im Reihengeschäft ist vor allem umstritten, wenn der mittlere Unternehmer den Transport der Ware beauftragt hat. Hierzu hatte bisher jeder EU-Staat eine eigene Auffassung. Fehler in diesem Bereich können schlimmstenfalls zu zusätzlichen Umsatzsteuerforderungen führen, denn zum Beispiel in Griechenland oder Finnland ist der reguläre Satz mit 24 % höher als in Deutschland (19 %).

Durch das JStG werden nun erstmals EU-weite Kriterien für die Zuordnung der bewegten Lieferung festgeschrieben. Dies gilt insbesondere für den mittleren Unternehmer, also denjenigen im Reihengeschäft, der sowohl Warenkäufer als auch Lieferant der Ware ist. Im obigen Beispiel ist dies B.

Die Lieferung des mittleren Unternehmers soll dann die bewegte Lieferung sein, wenn er nachweist, dass er den Gegenstand nicht als Abnehmer, sondern als Lieferer befördert oder versendet hat. Dieser Nachweis soll künftig über die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer (USt-IdNr.) erfolgen. Dies gilt insbesondere dann, wenn der Zwischenhändler eine USt-IdNr. des ursprünglichen Abgangsstaats der Ware verwendet. Wenn B also eine französische USt-IdNr. nutzt (Abgangsland der Ware ist Frankreich), wird die bewegte Lieferung grundsätzlich der Lieferung von ihm an A zugeordnet.

Die Änderungen sind ab dem 01.01.2020 anzuwenden.


Vollziehen Sie in Ihrem Unternehmen Reihengeschäfte oder planen Sie dies? Dann sollten Sie unbedingt Ihre Lieferkette überprüfen, damit auch nach Inkrafttreten der Neuerungen alles ordnungsgemäß abläuft und keine umsatzsteuerlichen Schäden für Ihr Unternehmen entstehen. Sie sollten sich hier unbedingt steuerlich beraten lassen!


 

09.12.2019